Pirucha

„Eres un genio de la interpretacion,de la creatividad y de la fabula“ – Du bist ein Genie der Interpretation, der Kreativität und der Fabel. Diese und ähnlich begeisterte Urteile fällt manch ein Betrachter der Bilder Piruchas und es lohnt sich in der Tat, diesen jungen Maler näher kennenzulernen. Zuerst sollte man sich allerdings eine Frage stellen. Welches Privileg haben Menschen, deren Kreativität sich zutiefst spontane Ausdrucksformen verschafft? Sie spüren oft nicht die erdrückende Last der Tradition.

Einige Grundzüge der Rezeption Piruchas

Das künstlerische Schaffen des Galiziers Alfredo Sebastian Pirucha ist diesbezüglich eine beispielhafte Antwort auf diese Frage, denn Spaniens künstlerische Gegenwart und Vergangenheit ist so reichhaltig, dass man sich zutiefst wundert, wie es einen solchen Maler wie Pirucha überhaupt geben kann. Seine Malereien und Collagen kennenzulernen, führt zu großen Überraschungen. Der Betrachter wundert sich, wird schmunzeln oder gar lachen. Ja, eine fast unbekannte Leichtigkeit erfüllt ihn. Wenn wir uns an unsere Kindheit erinnern, kommt uns diese Leichtigkeit hingegen wieder bekannt vor und Pirucha rückt damit in einer unerwartete Nähe zu unseren ersten kindlichen Erfahrungen mit dem Tuschkasten. Es scheint auf den ersten Blick, der Maler sei ein fröhlicher Amateur, doch dieser Eindruck schwindet nach kurzer Zeit.

Kunst thematisiert sich selbst

Eines seiner Bilder trägt den Titel „A fábula da cabra e a serpe pintada pela tua filha de 3 anos“ (dt.: „Die Fabel von der Ziege und der Schlange, gemalt von deiner dreijährigen Tochter“) und in der Tat wirkt das Bild, als hätte es ein Kind gemalt. Die Bäumstämme sind braune Rechtecke und die Baumkronen lediglich kleine grüne Kreisflächen. Titel, wie der oben genannte, verhindern jedoch, dass der Betrachter die Frage nach der realistischen Darstellung stellt. Pirucha erzeugt damit Distanz zum Werk, welches autoreflexiv behandelt wird. Diese Metaebene kann durchaus wirkungsvoll sein. Parodistisch wirkt seine Bildsprache und die überaus charakteristische Verwendung von Bildtiteln. Diese Bildtitel sind integraler Bestandteil der Bilder und binden den Rezipienten der Malerei aktiv ein.

Jenseits der Metropolen und der Eliten

Pirucha wurde in eine Welt geboren, in der Kunst auf eine Weise präsent ist, die man als institutionalisiert bezeichnen kann: in den Kunsthallen der Metropolen, in den Feuilletons, auf Auktionen. Sowohl die hier referierten Orte als auch etablierte Printmedien sind diesbezüglich überaus vorgeprägt. Es sind Orte und Medien mit einer langen Tradition von Diskursen und wenn sich junge Künstler diesen Diskursen aussetzen, so spüren sie bald das oft erdrückende Erbe der Vorgänger. Die großen Kunsthallen sind diesen Menschen in der Regel versperrt und sie haben kaum Kontakte. Wenn sich Alfredo Sebastian Pirucha in der Malerei subjektiv ausdrückt, stellen sich all diese Fragen nicht. Der 30-jährige Maler aus Galizien will nicht auf den Olymp etablierter Künstler und er will auch keine Aura um sich aufbauen. All dies würde Distanz zwischen ihm und seinen Werken einerseits und dem Betrachter der Werke andererseits stiften. Pirucha favorisiert einen ungezwungenen Umgang mit Kunstobjekten und Künstlern. Kulturgüter sollten aus der Sicht des jungen Malers Teil des Allgemeinguts sein und nicht steril in einem Museum stehen. Der Betrachter soll nicht angesichts von Erhabenheit der Darstellung in einer respektvollen und lähmenden Kontemplation versinken. Grüblerische Kritiker, die den Anspruch der Ernsthaftigkeit an sich und auch den Künstler stellen, interessieren Pirucha nicht. Nach dem Bild „Intelectual“ (dt.: „Intellektueller“) mag man sogar schlussfolgern, er verspotte sie regelrecht: Mit aufgerissenen und dramatischen Augen reißt der Intellektuelle die Arme in die Höhe, wobei man nicht weiß, was der Grund ist. Sicher ist, dass er meint, einen bedeutenden Gedanken zu haben und diesen sicherlich verkünden wird. Wie der Rest der Welt, so hat auch das Theatralische für Pirucha eine Tendenz zur Komik. Mit einer gehörigen Portion Humor betrachtet der Maler hingegen die Realität und umfasst dabei in den Gegenständen alle Lebensphasen, von Geburt bis zum Tod. Sich mit Pirucha zu beschäftigen, verheißt zweifelsohne eine enorme Bandbreite von Themen und eine ebenso große Bandbreite an Herangehensweisen an diese Themen. Es bleibt zu wünschen, dass der Maler seine Arbeit wieder aufnehmen wird. Ziel unserer Darstellung Nach diesen einleitenden Betrachtungen soll auf den folgenden zwei Seiten ein etwas tieferer Einblick auf den Maler an sich genommen werden. Anschließend soll das Werk in einigen Grundlinien gewürdigt werden.